gelesen: Wolfgang Herrndorf – Tschick

liesmalwasAm 26. August 2013 verstarb Wolfgang Herrndorf in Berlin. Es ist kein Geheimnis, dass er sein Leben selbst beendete, bevor es seine Krankheit tun konnte. Herrndorf litt an einem Glioblastom, dem bösartigsten Hirntumor. Auf seinem Blog ‚Arbeit und Struktur‘ berichtete er offen und schonungslos vom Fortschreiten seiner Krankheit. ‚Arbeit und Struktur‘ ist immer noch im Netz auffindbar, parallel dazu aber auch nach seinem Tod und auf seinen eigenen Wunsch als Buch erschienen. Ich folgte dem Blog damals aus persönlichen Gründen und möchte die Lektüre an Menschen weiterempfehlen, die mit einem vergleichbaren Schicksal entweder selbst oder im engen Kreis konfrontiert sind.

‚Tschick‘ ist eines der früheren Werke Herrndorfs (2010) und stand über ein Jahr auf der Bestsellerliste. Hinreißend komisch, wunderbar leicht und dennoch nicht oberflächlich erzählt Herrndorf die Reise zweier 14jähriger im geklauten Auto Richtung Walachei. Einfach nur zum Fiepen und keiner dieser verkrampften Romane, in denen ein Erwachsener sich in ‚Jugendsprache‘ oder ähnlich Krampfartigem versucht. Inzwischen wurde ‚Tschick‘ sogar als Unterrichtsstoff an den Klassen 8 und 9 des Gymnasiums ausgewählt. Einmal mehr: Absolute Leseempfehlung.

Ein klappriges Auto kam die Straße runtergefahren. Es fuhr langsam auf unser Haus zu und bog in die Garagenauffahrt ein. Eine Minute stand der hellblaue Lada Niva mit laufendem Motor vor unserer Garage, dann wurde der Motor abgestellt. Die Fahrertür ging auf, Tschick stieg aus. Er legte beide Ellenbogen aufs Autodach und sah zu, wie ich den Rasen sprengte. ‹Ah›, sagte er, und dann sagte er lange nichts mehr. ‹Macht das Spaß?›

Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn. – Quelle: Amazon

pfeil  wer ‚Tschick‘ mag, der wird auch amazon‚Paradiso‘ von Thomas Klupp zu schätzen wissen – zum Blogbericht hier entlang: Thomas Klupp – Paradiso

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s