gelesen: Virginie Despentes – Das Leben des Vernon Subutex (1)

Der erste Band der erfolgreichen Subutex-Trilogie im Taschenbuch.
Wer ist Vernon Subutex? Eine urbane Legende, der letzte Zeuge einer Welt von Sex, Drugs und Rock ‘n‘ Roll, einer, mit dem es unsere Zeit nicht gut meint. Gerade noch Besitzer eines Kult-Plattenladens mit Erfolg und besten Kontakten, steht er nun plötzlich auf der Straße und quartiert sich mithilfe von Facebook und einer Notlüge reihum bei alten Freunden und Weggefährten ein – so beginnt eine Reise zu den Abgründen einer zutiefst verunsicherten Gesellschaft. Es entsteht ein grandioses Sittengemälde unserer Zeit, das kein gesellschaftliches Thema unberührt lässt, die Islamismusdebatte ebenso wenig wie den Aufstieg der Rechten. Als der Roman 2015 in Frankreich erschien, führte er monatelang die Bestsellerlisten an und machte seine Autorin zu einer der wichtigsten und gefragtesten Schriftstellerinnen des Landes. Mit ihrer Subutex-Trilogie ist Virginie Despentes eine »menschliche Komödie« unserer Zeit gelungen – der Vergleich mit Balzac ist nicht zu hoch gegriffen.
Quelle: Amazon

Erschienen als Taschenbuch am 17. September 2018

liesmalwas

Aufmerksam auf die Subutex-Trilogie wurde ich durch das Erscheinen von Band 3 im Herbst. Dem Stoff stand ich erstmal skeptisch gegenüber, sowas kann gut zu lesen sein, aber ebenso kann es ein flacher und selbstgefälliger Lifestyle-Abklatsch sein, es werden ja derzeit viele Dinge gefeiert, die ich nicht nachvollziehen kann und bei denen mir die Tiefe fehlt. – Doch welch erfreuliches Erlebnis: Hier haben wir einen Vulkan. In teils drastischer Sprache und mit ziemlich schonungsloser und eher männlich anmutender Analytik erzählt Frau Despentes, wie Herr Subutex sich entspannt opportunistisch durch die Betten seiner Bekanntschaften vögelt und sein Leben systematisch in Richtung Gulli setzt.

Was er sich dabei wirklich denkt, bleibt uns jedoch weitgehend vorenthalten, er braucht halt ein Dach über dem Kopf. Als „menschliche Komödie“ würde ich das jetzt nicht bezeichnen, auch wenn es stellenweise dermaßen komisch ist… Auch der Anspruch, dass Frau Despentes ein Bild der französischen Gesellschaft zeichnet ist mir zu hoch gegriffen. Die Bekannten des Herrn Subutex sind größtenteils keine klassischen bürgerlichen Existenzen, bilden auch keine Gesellschaft in ihrer Gesamtheit ab, sondern zeichnen sich durch individuelle und kreative Lebensläufe aus – nicht direkt eine Subkultur, aber schon annähernd. Es gibt diese Menschen, und es gibt sie überall und in jedem Land, aber es gibt eben nicht NUR diese Menschen. — Band 2 erscheint im Mai als Taschenbuch, ich habe ihn bereits vorbestellt und bin sicher, dass er neue Entwicklungen bietet und nicht einfach eine lauwarme Fortsetzung sein wird. — Vernon Subutex erhält meine absolute Leseempfehlung, trifft aber sicher nicht den Geschmack jeden Lesers. Für mich eins der besten 2018 gelesenen Bücher.

amazonVirginie Despentes – Das Leben des Vernon Subutex 1: Roman

 

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