gelesen: Kai Wieland – Amerika

liesmalwas

Ein Portrait des Autors Kai Wieland finden wir in der Stuttgarter Zeitung.

Unbedingt lesen wollte ich das, denn dieses Rillingsbach mit seinem muffigen Tresen erscheint mir doch sehr vertraut. Und dann war ich doch sehr überrascht. Einerseits davon, wie altmodisch ein so junger Autor schreibt – wobei ich dieses „altmodisch“ nicht zwingend negativ bewerte. Er kann formulieren, und er kann schreiben – es erinnert eben nur an einen vage vertrauten Literaturstil aus der Vergangenheit, sagen wir 70er oder vielleicht sogar späte 60er. Ein wenig arg hausbacken könnte man das finden, zumindest in meinem Alter.

So sehr mischt der Chronist die Ordnung im Dorf (welche Ordnung?) nun übrigens auch gar nicht auf, ich würde sagen, er verbreitet nicht einmal eine sonderliche Unruhe, und die zitierten vergrabenen Erinnerungen wirkten für mich auch gar nicht so vergraben. Was da zugegeben sehr schwerfällig in Bewegung kommt, gärt und brodelt ohnehin schon die letzten, und auch die nächsten Jahrzehnte. Dinge, die vermutlich jeder von uns in der Vergangenheit des eigenen Umfelds finden würde, also auch der Plot im Grunde ein wenig uninteressant, theoretisch.

Trotzdem. „Amerika“ liest sich gut und ist ganz gewiss nicht langweilig. Das ist ein Buch, das ich durchaus an ausgewählte Leser empfehlen oder verschenken würde. Stilistisch erwähnenswert ist auch die Erzählperspektive: „der Chronist“ hat keinen Namen, glaube ich, sondern erwähnt sich selbst fast ausschließlich als „den Chronisten“ in der dritten Form. Er sitzt dabei als stiller Beobachter und notiert. Zwar nicht geisterhaft, denn ab und an stellt er Fragen, aber auch nicht handlungsbestimmend, sondern sehr zurückhaltend.

Ich bin gespannt, was uns Herr Wieland als nächstes liefern wird 🙂

In Rillingsbach geht es gemächlich zu. Das weiß keiner besser als Wirtin Martha, die im örtlichen Gasthaus das Zepter fest in der Hand hält. Doch als sich ein junger Chronist unter die Stammgäste mischt und die Ordnung im Dorf auf den Kopf stellt, drängen tief vergrabene Erinnerungen an die Oberfläche, die bis zur amerikanischen Besatzungszeit zurückreichen.
Quelle: Amazon

Erschienen am 30. August 2018

amazonKai Wieland – Amerika

 

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