gelesen: Jonathan Lethem – Der wilde Detektiv

liesmalwas

Dieses Buch mochte ich nun so überhaupt nicht. Die Story ist von der Grundidee her nicht schlecht, aber viel zu wenig ausgearbeitet. Was mich maßlos nervt ist die angekündigte Verlinkung zu Trump und der Gegenwart, die dann letztlich nicht die geringste Rolle spielt, sondern nur hin und wieder lau eingestreut wird. Ich gebe Ihnen 100 Dollar extra, wenn Sie in Ihrem Buch 5x „Trump“ unterbringen. Die Handlung könnte genauso auch 1990 oder sonstwann stattfinden. Solche absolut leeren Effekthaschereien zur besseren Vermarktung sind einfach nur ätzend.

Was ich ebenfalls recht ätzend fand ist der ständige Schmutz und Schmuddel, vor allem in den echt unangenehmen Sexszenen. Ich mag nicht lesen, wie sich auf versiffter Matratze noch 3 verfilzte, sabbernde Hunde dazu legen bis die Scheiben beschlagen, und das Kopfkino war mir echt zu viel. Der männliche Autor erzählt aus der Perspektive der weiblichen Hauptperson, und leider entwirft er dabei eine klischeehaft maskuline Person (ob ihm das klar ist?). Was spannend sein könnte, bei mir aber nur unglaubwürdig ankommt. Was in der männlichen Hauptperson vor sich geht, das bleibt bis zum Ende komplett verborgen – es interessiert mich aber auch nicht.

Die Frau sucht also die ausgebüxte Tochter ihrer Freundin – das ist dann auch schon alles, was wir über ihre Motivation und ihren Antrieb erfahren. Der Rest der Geschichte ist wirr und wenig stringent, es treten ein paar schräge und ebenfalls ungenügend ausgearbeitete Vögel auf, und die ganze Handlung ist total hohl und vor allem langweilig. Ich mag verrückte Bücher und habe auch nix gegen Plots, die mal an der Realität vorbeirauschen, aber das hier fand ich einfach nur bescheuert, vom Anfang bis zum Ende. Wieder eines der Bücher das auf mich so wirkt, als habe der Autor nach 50 Seiten die Lust verloren – auch die Lust am guten Formulieren – und den Rest einfach zusammengewürfelt.

Als die arbeitslose Phoebe Siegler erfährt, dass die Tochter ihrer besten Freundin vermisst wird, bricht sie von Brooklyn aus auf, um in der kalifornischen Provinz nach dem Teenager zu suchen. Im dunklen Herzen der Wüste trifft sie auf Aussteiger, die jenseits von Recht und Gesetz in Stammesgruppen leben. Der Einzige, der ihr Zugang zu diesen ehemaligen Hippie- Kommunen verschaffen kann, ist Charles Heist – genannt der »wilde Detektiv«.

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump kündigt Phoebe Siegler ihren Job bei einem Radiosender, weil sie sich mit schuldig fühlt, dass es so weit gekommen ist. Als sie der Hilferuf ihrer Freundin Rosalyn erreicht, fliegt sie nach Kalifornien, um deren Tochter Arabella zu finden. Sie landet in einer Stadt am Rande der Wüste, zu deren merkwürdig zusammengewürfelten Bewohnern auch Charles Heist gehört, den sie den wilden Detektiv nennt. Ihre gemeinsame Suche führt die beiden in die gefährliche Gesellschaft der Stämme, die dort ohne Stromversorgung autonom leben. Während Phoebe und der wilde Detektiv mehr über das verschwundene Mädchen herausfinden, geraten sie in immer größere Lebensgefahr. All dies in einer Zeit, in der es wegen Donald Trump und des Todes von Leonard Cohen sowieso nicht viel zu feiern gibt.

Quelle: Amazon

Erschienen am 31. Januar 2019

amazonJonathan Lethem – Der wilde Detektiv

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s